Aufguss in der Sauna

Moin, Moin, Hallo, Servus, N’Abend.
Rutscht, ihr schwitzenden Menschen. Danke. Ja. Doch, der Platz reicht. Vielen Dank.

Ein tiefer Atemzug. Viel zu heiß, wie jedes Mal. Wenigstens noch nicht so heiß wie gleich. Aufguss. Ganz oben muss man sitzen, sonst bringt es doch alles gar nichts. Und Sauna sollte schon was bringen. Was sie bringen sollte? Gute Frage. Gesundheit? Schwitzen ist doch gesund. Sagt man doch so. Wer sagt das überhaupt? Ein zehnfaches Guten Abend im Chor. Mein Name ist Mareike. Mareike ist die einzige, die nicht nackt ist. Unverschämtheit! Nur weil sie hier arbeitet und den Aufguss macht, darf sie Klamotten tragen? Dann darf ich im Park nackt liegen, wenn ich schwitzen will? Der Teufel liegt im Detail. Oder auch die Teufelin? Ich auch.

Die heiße Luft peitscht mir ins Gesicht. Naja. Sie wird mir ins Gesicht gepeitscht. Von Mareike. Pfirsich Maracuja Kamille, das Luder. Auf so eine Aufgussmischung kann auch nur ein Saunagänger kommen. Erfrischend und doch beruhigend. Brennend und doch liebkosend. So schuf uns Gott also.

Sitzen ist das neue Rauchen. Nur deswegen habe ich Rücken. Nicht, weil ich selbst zu blöd bin, regelmäßig Sport zu machen. Sondern weil das Sitzen schuld ist. Also mein Job. Sozusagen der Kapitalismus. Das System! Das System ist schuld! Wärme hilft den Knochen. Na wenn Mareike hier in Shorts, Shirt und Stulpen rumläuft, darf ich ja wohl meine Dehnübungen machen. Langsam nach unten beugen. „Die lachende Katze“ würde man im Yoga sagen. Huch, wer bist du denn? Ach so, mein Schniedel. Halb so wild. Ob Sie mal die Schnauze halten können? In der Sauna hat man ruhig zu sein. Das weiß doch wohl jeder. Wer nicht flüstert, fliegt. Schreiben Sie sich das am besten auf. Mit Ihrem Finger in den Schweißfilm Ihrer Haut. Verzeihung, Ihrer Häutin.

Es reicht. Viel zu heiß. 15 Minuten sind das Limit. Lieber nur 10. Ab 12 Minuten kitzelt das Herz in der Brust. Wohl kein so gutes Zeichen. Können Sie mal bitte das Ende ihres Handtuches unter ihre tropfende Füße legen? Dafür wurde der Baum im Regenwald nicht abgeholzt! Dafür hat der Baum nicht studiert! Um sich mit ihrem Schweiß vollsaugen zu müssen. Danke, so komme ich durch. Gutes Schwitzen weiter hin.

Wehe die Dusche ist bele…! Nu mach! Die kalte Dusche ist nicht zum Duschen da. Also nur so halb. Sie wissen, wie ich das meine. Danke, kommen Sie durch? Entschuldigen Sie mein Verhalten. Eine halbkalte Dusche ist nun mal nur halb so kalt. Nur halb so erfrischend. Muss es nach der Überhitzung immer der Schock sein? Ist die Sauna als solche auch nur eine weiteres Abbild des Lebens? Warm, heiß, zu heiß, Schock-Veränderung? Frische Luft, Ruhe, Besinnung, Repeat? Hobbyphilosoph hier? Nein? Keiner?

Tief durchatmen. Diese frische Luft. Diese pure Energie. Auf einem klapprigen Plastikstuhl. Pommes-Buden-Feeling. Da freut sich jeder Hintern. Der Himmel, die Äste. Ein Baum, der dem gleichen Sauna Rhythmus unterliegt wie ich. Erzähl mir kleines Vögelein, wie geht es Dir?

HmHm. Ob ich mich zum Spaß räuspere? Entschuldigung? ENTSCHULDIGUNG?? Ich unterhalte mich gerade mit dem Baum und dem Vogel. Mir ist es recht Schnuppe welche Netflix Serie sie schon gesehen haben und welche sie empfehlen. Könnten Sie..? Vielleicht Gespräche dieser Art zu Hause…? Entschuldigen Sie, heute ist nicht mein Tag. Ich weiß auch nicht, warum ich so unentspannt bin. Deswegen bin ich ja hier. In der Sauna.

Ruhe im Ruheraum. Nur die Lüftung. Sie ist die einzige, die einen in die Trance begleitet. Gleitend in den Liegestuhl aus Plastik. Plastik? Wie können Sie hier nur Plastikstühle hinstellen? Wissen Sie denn nicht wie unsere Weltmeere aussehen? Was ist wenn das Mikroplastik durch die Lüftung über die Wolken im Ozean landet? Wie könnt Ihr dieses Blut an euren Händen ertragen? Ob ich mit dem Auto gekommen bin? Was geht Sie das an? Stellen sie sich vor, das Auto wäre nicht erfunden worden. Jeder 18-jährige würde jetzt ein Pferd reiten. Wissen Sie nicht wie viel Treibhausgase Tiere produzieren? Ohne Auto würden die Veganer vielleicht keine Tiere schützen, sondern Erdöl schlürfen. Ölganer. Ja, gern geschehen, dass ich Auto fahre. Das mache ich, damit Sie auf diesem Planeten auch weiter in Ruhe leben können. Denn höchstes Glück erfährt man nur, wenn man sein Potenzial für andere einsetzt. Sie brauchen sich nicht zu bedanken. Ich bin selbstlos.

Ein Blick ins Buch. Beim zweiten Blick schon schnarche ich. Nicht weil ich schlafe. Weil ich nonverbal ausdrücken will, dass es mir egal ist, ob der Nachbar meines Ruheraumnachbarn über die Kinder seines Nachbarn und die daraus sich ergebenen zwischennachbarlichen Nachbarschaftsdienste eine Meinung hat oder nicht. Ich kam, schlief und schnarchte.
Meine Meinung.

Hinein in die Adiletten. Hinaus aus der Oase der Nachbarschaftsruhe. Hin zum Eierkocher. Die Schlappen werden davor abgestellt. Das macht man so. Ein paar Zentimeter tippeln die Zehen auf der pretüralen Wasserpfütze und genießen die Bekanntschaft internationaler Fußpilzsporen. Naja, wie wenn man sich im Restaurant die Hände nach dem Klo wäscht und dann wieder die Türklinke anfasst. Wollen wir mal die Kirche im Dorf… also die Keime im Kopf lassen.  

Moin, Moin, Hallo, Servus, N’Abend.
Danke. Ja. Doch, der Platz reicht. Vielen Dank. Pfirsich Maracuja Kamille? Phantastisch, mein Lieblingsduft!

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Ein Gedanke zu „Aufguss in der Sauna“

  1. Eigentlich war ich noch nicht fertig.Dein Anliegen dieses Texte erschloss sich mit noch nicht.Werde ihn nochmal lesen ,morgen vielleicht Grüße von der Tante

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