Im Jahr 2030

Ob ich schon mal an ein Ehrenamt gedacht habe?
Herr Doktor, aber natürlich. Doch wo soll ich so eine freie Stelle finden? Die Zeiten sind vorbei. Zeiten, in denen helfende Hände mit Kusshand genommen wurden. Selbst die Aufgaben, die früher keiner machen wollte, wollen alle machen. Die Menschen. Weil sie der Ruhe nicht gewachsen sind. Weil sie Angst vor sich selbst haben. Wissen Sie eigentlich, dass Roboter sich selbst putzen können?

Ob ich an einem richtigen Job Interesse hätte? Natürlich, Herr Doktor. Da fragen Sie noch? Sagten Sie richtigen oder wichtigen? Haben Sie einen für mich? Was würde ich tun für eine Aufgabe, für die ich aufstehen muss. Nicht kann, nicht will. Aufstehen muss!

Aber Herr Doktor, Sie wissen doch, dass ich anspruchsvoll bin. Ich habe einen Uni Abschluss. Ich habe damals im Management gearbeitet. Denken Sie, dass ich an der Kasse glücklich wäre, wenn es sie noch geben würde? Mit einem Job, bei dem ich Menschen Blumen verkaufe, die verwelken oder Milchschaum-Herzen auf Kaffees zaubere, die von Lippen zerstört werden? Dafür habe ich nicht studiert.

Glauben Sie nicht, dass ich nur in einem Job aufgehen kann, der mir das Gefühl vermittelt, ich sei wichtig? Ich gebraucht werde und unersetzlich bin? Ja. Im Top-Management eines Pharmaunternehmens? Das wäre mein Traum. Sie wissen nicht, was ich dafür tun würde. Aber dafür müsste ich doch 80.000€ im Jahr bezahlen, Herr Doktor. Woher soll ich denn so viel Geld hernehmen? Ich habe doch keine Arbeits-Zusatzversicherung. Ich komme gerade so über die Runden. Bedingungsloses Grundeinkommen. Mehr kann ich nicht bieten.

Es müssen keine 80 Stunden pro Woche Arbeit sein. Ich gebe mich auch mit 60 Stunden zufrieden. Haben Sie nicht ein Mittel dagegen, Herr Doktor?

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